Jens Korndörfer
Organist
Acclaim
Silvesterkonzert in der Hersbrucker Stadtkirche

Zu einem festlichen, traditionellen Orgelkonzert an Silvester mit dem Konzertorganisten Jens Korndörfer hatte die Nikolaus-Selnecker-Kantorei Hersbruck mit Kirchenmusikdirektor Karl Schmidt in die bis auf die Emporen voll besetzte Stadtkirche eingeladen, um das neue Jahr festlich, besinnlich und heiter zu begrüßen und das zu Ende gehende Jahr klingend zu verabschieden.

Dekan Werner Thiessen begrüßte die Zuschauer und stellte den Organisten Jens Korndörfer vor, der 1996 die Orgelprüfung bei Kantor Karl Schmidt abgelegt hatte. Danach studierte er Kirchenmusik und Orgel an der Universität in Bayreuth und ist seit 2012 Organist an der First Presbyterian Church in Atlanta/USA. Dr. Jens Korndörfer, der jährlich einmal nach Europa kommt, freute sich in der Heimat zu sein und gab Hinweise zum Konzertprogramm. Da erklang ein mit farbigen Registern und wunderbarem Legato versehenes „Präludium und Fuge in D“ von Johann Sebastian Bach (1685-1750), eines der frühen Meisterwerke, daher die ungestümen Klänge mit dissonanten Akkordtürmen und einem in allen Stimmen erscheinenden Fugenthema. Das flüssige Spiel und die Interpretation des Organisten ließen einen hochkarätigen Künstler auf der „Königin der Instrumente“ erkennen, wie man die Orgel auch bezeichnet. Von Richard Wagner (1813-83) erklang aus der Oper „Tannhäuser“ der Pilgerchor in einer Bearbeitung von Franz Liszt. Mit sanften Registern erklang inbrünstig der Sieg reiner Liebe über sündige Leidenschaft. Eine berührende Interpretation! Es folgte der „Choral in a-Moll“ des Spätromantikers César Franck (1822-90). Sein letztes Orgelwerk, ein Vermächtnis in farbiger Harmonik und gleitender Chromatik, verrät die Nähe zu Bach, Liszt und Wagner. In transparenter Gestaltung endete es über einem Orgelpunkt klangprächtig. Ein Medley aus dem „Herrn der Ringe“, bearbeitet von Jens Korndörfer, führte in die blühende Landschaft von Neuseeland. Das alles war facettenreich in der Orgelmusik zu hören, ebenso Shire, ein Song vom Feinsten. Mit hellen Registern erstrahlte ein glänzendes Licht in das nebelverhangene Grau unserer Tage. Eine brillante Gestaltung des Künstlers durch Registervielfalt und Tempoveränderung. Abschließend ein düsterer „Danse macabre“ (Totentanz) von Camille Saint-Saens (1835-1921). Erregende Klänge, irisierend, symbolisierten den unwirklichen Vorgang der Glockenschläge um Mitternacht, als der Tod seine Fidel zum Tanz der Skelette auf dem Friedhof streicht. Ein krähender Hahn beendet den Spuk. Ein Tongemälde von erschreckender Realität in einer virtuosen Interpretation. Frenetischer Beifall für den Konzertorganisten, der mit einem grandios gespielten Bach als Zugabe dankte.

Alfred Eichhorn, Hersbrucker Zeitung
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